“Vor die Hunde gehen” oder “Auf den Hunt kommen”

Es sind Redensarten, die nicht nur aus dem Jägerjargon, sondern aus der Bergmannssprache kommen soll.

Das Wort Hund/Hunt, im Gotischen hunds, in alt- und mitteldeutscher Sprache hunt, hat in der Bergmannssprache seine eigene Bedeutung.

Spurnagelhunt in einem normalerweise komplett gefluteten Altbergbau

Spurnagelhunt in einem normalerweise komplett gefluteten Altbergbau

Der Hund oder Hunt ist ein länglicher, viereckiger offener Kasten, der auf einem Gestell mit vier Rädern ruht. Er dient der Wegschaffung der gewonnenen Erze, Gesteins- oder Kohlenmassen.
Die Spurnagelhunte war sozusagen, die erste “Eisenbahn” und das heutige Rollbrett zum Transportieren von Möbelstücken wird ebenfalls Hund genannt. Im Gegensatz dazu gibt es die Katzen, die an der Decke/Firste Materialien transportiert.

Die Arbeit des Wegschaffens verrichteten in den Bergwerken meist jüngere, niedriger bezahlte Bergleute. Sie waren schon kräftig genug für diese harte und gefährliche Arbeit, dabei aber noch klein genug um durch die engen dunklen Stollen und Strecken zu kommen.

Machte sich in früheren Jahren ein Bergmann der höher bezahlten Klasse eines Versehens schuldig, so wurde er zur Arbeit des Huntenziehens oder Hundestoßens verurteilt und bekam dadurch auch den Lohn der niedrigstens Klasse.
Er war “auf den Hund” herabgesetzt, also auf den Hund gekommen, bzw.”vor die Hunde gegangen”/”vor die Hunde gejagt worden”.
In diesem Sinne gebrauchen wir die Redensart, wenn wir ausdrücken wollen, dass einer aus besseren Verhältnissen in eine schlechtere geraten oder heruntergekommen ist.

Damals wurde das erste Kinderschutzgesetz durch den preußischen König Friedrich der Große in Auftrag gegeben. Es verbot die Arbeit der Kinder auf den Bergwerken, da sie vielerlei Gefahren ausgesetzt waren. Nicht aber die Sorge um die Kinder war der Grund, sondern der alte Fritz brauchte ausreichend Nachwuchs für seine zahllosen Schlachten und Kriege. Er hätte nichts mit verkrüppelten Soldaten anfangen können. Jemand der sich das Bein in einer Wetterschleuse zerquetscht hatte, konnte nicht mehr 100km am Tag marschieren und jemand der seine Finger verkrüppelt hatte, konnte nicht ordentlich eine Muskete laden.